Häufige Grunderkrankungen
Eine Vielzahl von Erkrankungen kann zur Demenz führen. Eine Reihe der Grunderkrankungen ist prinzipiell therapierbar (s. Tabelle 2), während für andere noch keine Behandlungsmöglichkeiten bestehen (Tabelle 3).
Anhand von Autopsiestudien lässt sich die Häufigkeit der verschiedenen zur Demenz führenden Erkrankungen bei älteren Patienten abschätzen. Die häufigsten Demenzformen sind:
- Demenz vom Alzheimer Typ
- Vaskulär bedingte Demenzen
- Misch-Typ aus Alzheimer und vaskulärer Demenz

In der Fachliteratur wird diskutiert, ob eine Abgrenzung von Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz im höheren Alter in vielen Fällen, in denen sowohl die neuropathologischen Veränderungen der Alzheimer-Demenz als auch der vaskulären Demenz vorliegen, noch sinnvoll ist oder im höheren Alter (etwa ab dem 75. Lebensjahr) nicht eine gemischte Demenz die häufigste Form ist.

Weitere Erkrankungen, die häufig zu einer Demenz führen, sind:
- Lewy body Disease
- Demenz bei Parkinson Syndrom
- chronischer Alkoholismus
- raumfordernde Prozesse (Hirntumoren, v.a. Meningeome)
- Normaldruck-Hydrozephalus
- Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)

Bei etwa 12- 15% der Demenz-Patienten findet sich bei der Autopsie kein eindeutigen Veränderungen auf pathologische Veränderungen des Gehirns.. Daher ist anzunehmen, dass ein erheblicher Anteil der Demenzen nicht auf eine primäre Erkrankung des Zentralnervensystems zurückzuführen ist.

                                                                                                     
Tabelle 2: Erkrankungen, die zu einer Demenz führen
können und die prinzipiell behandelbar sind                 

Neurochirurgisch behandelbar:
- normotensiver Hydrozephalus
- chronisch subdurales Hämatom / subdurales Hygrom
- Hirntumoren (z.B. frontale Meningeome)
- Hirnabzesse / Hirnmetastasen

Medikamentös behandelbar:
Mit Antidementiva:
- Demenz vom Alzheimer Typ
- Demenz bei Parkinson-Syndrom

Antibiotisch oder antiviral:
- Neurolues
- Neuro-AIDS (HIV-Enzephalitis)

Hormonell:
- Hypo-/Hyperthyreose
- Hypo-/Hyperparathyreodismus
- Hypophyseninsuffizienz /Cushing-Syndrom
- Nebenniereninsuffizienz

Mit Vitaminen:
- funikuläre Myelose (Vitamin B12 Mangel)
- Wernicke-Enzephalopathie

Mit Kortikoiden oder/und Zytostatika:
- Kollagenosen /Angiitiden (z.B. Lupus erythematodes)
- Neurosarkoidose*
- zerebrale Lymphome

Mit Chelatbildern oder Penicillinamin:
- chronische Schwermetallvergiftungen*
- M. Wilson*                      
                                                                                   
(nach [10]) * sehr selten bzw. selten Ursache für eine Demenz
# in Europa selten, häufiger in Entwicklungsländern


                                                                                                                                                     
Tabelle 3: Bisher therapeutisch nicht sicher beeinflussbare
Demenzformen                                                                                   


Degenerative Erkrankungen:
- Lewy body-disease
- idiopathische Stammganglienverkalkung (M. Fahr)
- Chorea Huntington *
- Morbus Pick *
- Progressive supranukleäre Lähmung (PSP)*
- Friedreichsche Ataxie *
- zerebelläre Heredoataxie *
- olivo-ponto-zerebelläre Atrophie *
- Demenz bei Down-Syndrom *
Vaskuläre Demenz#:
- Multiinfarkt-Demenz
- zerebrale Mikroangiopathie (Leuko-Araiose und lakunäre Infarkte)
- CADOSIL (heriditär)
- Zerebrale Amyloid-Angiopathie *
- Neoplastische Angioendotheliose *
Entzündliche Erkrankungen:
- Prion-Erkrankungen (z.B. Creutzfeldt-Jakob'sche Erkrank.)*
- Multiple Sklerose *##                                                                              

(nach [10]) * sehr selten bzw. selten Ursache für eine Demenz
# gilt mit Ausnahme der CADOSIL als vermeidbar, wenn die zerebrovaskulären Risikofaktoren frühzeitig und konsequent behandelt werden
##möglicherweise durch Interferon-Behandlung vermeidbar